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Unser Buchtipp:
„Die Unruhe der Welt”

Philosophie im Newsletter einer Werbeagentur? Warum eigentlich nicht?

Denn Ralf Konersmann, Professor für Philosophie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, hat ein Buch geschrieben, das ein bezeichnendes Schlaglicht auf das moderne (Wirtschafts-)Leben wirft. Es sind zwei zentrale Fragen, die Konersmann an den Ausgangspunkt seiner Überlegungen stellt: „Warum können wir Dinge nicht mehr einfach auf sich beruhen lassen?” und „Wie haben wir gelernt, die Unruhe zu lieben?”

Der Kieler Kulturphilosoph zeigt in klarer, luzider Sprache, dass die Unruhe keineswegs nur ein Zeitgeist-Phänomen ist. Schon die biblische Geschichte um Kain und Abel zeigt die Wurzeln des Getriebenseins. Abel wählte einst die kontemplative Tätigkeit als Hirte, die der neidische Kain im wahrsten Sinne des Wortes mit einem Schlag beendete. Für seinen Mord wurde Kain von Gott mit einem Fluch belegt: „Rastlos und ruhelos wirst du auf der Erde sein”.

Diese Ruhelosigkeit äußert sich indes nicht nur im Getriebensein, sondern z.B. auch im revolutionären Gestaltungswillen. Karl Marx formulierte in seinen Feuerbach-Thesen den berühmt gewordenen Satz: „Es kommt nicht darauf an, die Welt zu interpretieren. Es kommt darauf an, sie zu verändern.” Der Veränderungsimpuls ist ein Unruheimpuls, der Wille zur Umgestaltung wird mit Rastlosigkeit und Hetze bezahlt. Das gilt übrigens keineswegs nur für die Thesen des Urvaters des Kommunismus, gerade im forcierten Kapitalismus unserer Zeit wird Unruhe zum Gesetz. Das zeigt sich in klassischen Redewendungen wie „Wer rastet, der rostet” oder „Stillstand ist Rückschritt”. Die Durchdringung des Lebens durch die Ökonomie mit ihren postulierten Wachstumszyklen, dem Hamsterrad der Quartalszahlen, den Terminen und Deadlines bewirkt Hektik und Stress, der oft genug Erschöpfung und Burn-out zur Folge hat.

So entsteht wiederum unsere Sehnsucht nach Entschleunigung, nach Innehalten, nach Auszeit und Sabbatjahr. Mit dem kurzfristigen Aussteigen aus der Tretmühle bleiben wir immer noch dem Unruheprinzip verhaftet, dient die Erholungsphase doch nur dem Auftanken für neue Strecken der Hektik. Der Kurzzeit-Schlaf etwa heißt nicht umsonst „Powernapping”, weil er die inneren Batterien in Nullkommanix wieder aufladen soll. Und dennoch, bei aller Kritik, ist die Unruhe heute ein Teil unserer Persönlichkeit geworden.

Warum wir dieses Buch empfehlen? Weil die Zeitkritik von Ralf Konersmann hellsichtig und in einfacher, präziser Sprache einen kühnen Bogen von der Geschichte bis in unsere Gegenwart und nahe Zukunft schlägt und dabei mühelos zehn Ratgeberbücher ersetzt.

Ralf Konersmann, Die Unruhe der Welt, S. Fischer Verlag, 24,99 €