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12.02.2014
Verramschte Handwerkskunst

Dass Verwertungshäuser bei ihren Vermarktungskampagnen nicht gerade zimperlich argumentieren, ist allgemein bekannt. Doch das Verwertungshaus Hüls irritiert uns schon seit Wochen, ja Monaten mit einer besonders penetranten Printkampagne im Auftrag eines insolventen Teppichhauses. In großformatigen Anzeigen in Bielefelder Tageszeitungen wird hier die Insolvenz zum Glücksfall für Schnäppchenjäger erklärt. Bei den Restposten handelt es sich allerdings nicht um Klobürsten, sondern um hochwertige Orientteppiche, darunter „kostbare Tabriz-, Ghom- oder  Isfahan-Ware aus Naturseide”, feinst geknüpft „mit bis über 1 Mio. Knoten pro Quadratmeter.” Dieses Filigranhandwerk wird mit „radikalen Preisherabsetzungen von bis zu 78 %” unters Volk geschleudert.

Die Kampagne ist nicht ungeschickt aufgezogen: Sie kommt im dokumentarischen Reportage-Stil daher, lässt einen Insolvenzverwalter zu Wort kommen und tarnt seine eigentlichen Absichten des gnadenlosen Verramschens hinter scheinbar objektiver Berichterstattung. Um den Druck zu erhöhen, werden immer wieder  „letzte” Termine genannt: „Was bis zum x.x nicht verkauft wird, wandert in die Konkursmasse.”

Was den interessierten Leser diese Kampagne wundert: Termin um Termin verstreicht, von Auflösung der Bestände indes keine Spur. Und man beginnt zu ahnen, dass diese merkwürdige Form scheinbarer Insolvenzverschleppung einfach ein cleverer Werbeschachzug ist. Nur der eigentliche Wert der Ware bleibt auf der Strecke. Er wird im wahrsten Sinne des Wortes unter den Teppich gekehrt.