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10. Februar 2016
Hirnschwurbel

Dass Bankengeschäfte kompliziert und undurchsichtig sein können, weiß man spätestens seit der Finanzkrise 2008, als Vokabeln wie „Leerkäufe” oder „Default SWAP” die Runde machten. Seitdem hat sich die Finanzwelt – zumindest in werbetechnischer Hinsicht – Transparenz und Einfachheit auf die Fahnen geschrieben.

Besonders schön kann man das an der Anzeigenkampagne des Bankvereins Werther sehen, der in schöner Regelmäßigkeit halbseitige Anzeigen in den lokalen Tageszeitungen schaltet. Diese Anzeigen haben kein Visual und bestehen nur aus einem Zitat, das einem/r namentlich genannten Mitarbeiter/in des Bankvereins in den Mund gelegt wird.

Die Aussagen gruppieren sich allesamt um das Wort „einfach” und verbreiten pathetisch-philosophische Ehrfurchtsschauer, gegen die Kant, Hegel und Nietzsche wie himbeerfarbene Flachdenker dastehen. „Echtes Interesse entdeckt den Menschen einfach*” sagt da etwa Veronika Meier-Scheuven, ein Felix Jancker ergänzt bedeutungsschwer: „Wertschätzung überzeugt einfach im Verstehen*”. Spricht der Bankverein Werther da die Sprache der Kunden? Jedenfalls behauptet er: „Wir sprechen Teuto.” Und zwar seit annotuck. Aber schon die alten Römer wussten, warum das Wort „Teuto” in ihnen ungute Gefühle auslöste.

Fazit: Insgesamt mag man zwar dunkel ahnen, worauf diese Imagekampagne abzielt – auf das Menschliche, das Zugewandte, das Individuelle, das den Kunden auf Augenhöhe wahrnimmt. Aber ach: Angesichts dieser Aussagen, die eher wie rhetorische Nebelkerzen wirken, bleibt die Botschaft leider auf der Strecke, mag man auch noch so sehr die Denkerstirn in Falten legen. Die Macher scheinen das geahnt zu haben, versehen sie doch jede Aussage mit einem Sternchen. Und der kleingedruckte Sternchentext dazu lautet: „Einfach mehrfach lesen.” Aber selbst das hilft nicht. Diese Kampagne zeigt: Man kann auch einfach unverständlich sein.  

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