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23. Juli 2015
Vorgeschmack mit Nachgeschmack

Seit Neuestem wirbt der Pay-TV-Sender Sky mit dem Ausruf: ,,Wir freuen uns wie kleine Kinder!” für den Start der Fußball Bundesliga (14.8) und, damit verbunden, für den Erwerb eines Sky-Bundesliga-Abos. In den kurzen Werbespots sind kleine Kinder zu sehen, welche teils auf alberne Art den Vorgängen der ,,Großen” (Moderatoren, Reportern etc.) nacheifern oder auf gestellt süße, jedoch in der Realität eher penetrant wirkende Art, die Rolle eines nervenden, ständig nachfragenden Einlaufkindes einnehmen. Frage: Welche marketingtaktischen Überlegungen stecken hinter dieser Kampagne?

Der Kurzfilm beginnt mit einer kleinen Momentaufnahme des scheinbar ausverkauften Signal-Iduna Parks. Das Spielfeld, bedeckt von Fahnenschwenkern und dem stechend gelben BVB-Logo auf dem Mittelkreis, lenkt den Blick auf das Hauptmerkmal des Stadions, die tosende Südtribüne. Es handelt sich scheinbar um die letzten Minuten vor dem Anpfiff. Jedem Bundesligafan sollte es spätestens jetzt unter den Fingernägeln kribbeln und ein stechendes Gefühl von Vorfreude sollte sich einstellen. Oder noch anderes gesagt: Die eine Hand sollte sich zu einer bierhaltenden Form verkrampfen, die andere zu einer Faust, wie in den besten Bud-Spencer-Filmen, oder man könnte genau so gut sagen, wie Carlos Zambrano vor einem Zweikampf, die Augen zusammengezogen auf Shinji-Kagawa-Standard und den Mund öffnungsbereit zum Jubeln, nicht zu übertrieben, vielleicht nur so wie Thomas Müller, wenn er das entscheidende CL-Final Tor schießen würde ...

Diesen Status will Sky, untertrieben gesagt, vor dem heimischen TV Gerät erreichen. Im Folgenden spielt also die eben genannte Szene, zu sehen ist der Spielertunnel in dem die Dortmundprofis in einer Reihe mit ihren Einlaufkind stehen. Anschließend wird auf ein Kind gezoomt, dieses steht neben dem von Konzentration sichtlich angespannten Dortmund Star Henrikh Mkhitaryan. Ohne Nachfrage seinerseits bequatscht der Junge den Profi auf kindliche und direkte Weise mit allen Vorteilen eines Sky-Abos, welches seiner Familie ermöglicht, alle Bundesligaspiele live zu sehen. (Würde statt dem Dortmunder z.B. Stefan Effenberg in seinen besten Zeiten neben dem Jungen stehen, könnte das ein guter Beginn für eine Wrestling-Szene sein, aber es ist ja, zum Glück, nur der Mkhitaryan.)

Der Werbespot rückt Sky in einen selbstverständlichen, wichtigen gar unverzichtbaren Bestandteil des ,,Familienfernsehspektrums”. Dank der, in der Werbung abermals unterstrichenen,Vielfalt ist es jedem Familienmitglied möglich, seinem persönlichen Fernsehwunsch nachzukommen. Der Vater sieht mit seinem Kind den Lieblingsklub, der Bruder separat den Rivalen auf dem Laptop und die Mutter schaut ihre Lieblingsfilme und Serien und zwar alles auf HD!

Das Familienglück ist hergestellt und das so einfach ... oder doch nicht?!

Dieses doch süß dargestellte und einfach zu erlangende Familienglück hat einen bitteren Haken: das Finanzielle. Klar, Kinderwerbung kommt immer gut an, sie verniedlicht und kann von jeder noch so bitteren Wahrheit ablenken. Wenn man aber einmal die Aussagen des Jungen auf die Paketzusammenstellung von Sky umrechnet, ist man dann bei einer monatliche Abgabe von knapp 40 Euro. Plus die einmalige Kostenabgabe von 61 Euro kommt man bei einer Vertragsmindestlaufzeit von 23 Monaten auf insgesamt 981,67 Euro!!! Bei dem einfachsten Abo, in dem man nur die Bundesliga sehen kann und das ohne HD, kommt man 521,67 Euro. Von dieser harten Zahl ist im Werbespot leider nichts zu sehen, es könnte ja die emotionale Bundesligasehnsucht bzw. die unbeschwerte, sorgenfreie kindliche Stimmung stören.

Was lehrt uns also dieser Einblick? Sollte man keine Goldbarren in der Garage versteckt haben oder beim maulwurfbekämpfenden Umgraben im eigenen Garten auf Öl stoßen, ist das gar nicht so kinderleicht mit dem Livefußball im Fernsehen.

Hier der Spot

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