Stellenprofile
Eins vorweg: Die folgenden Stellenbeschreibungen sind idealtypische Jobprofile, niemand kann dieser Beschreibung exakt entsprechen. Und sollte es jemandem doch gelingen, muss er/sie noch lange kein guter Kontakter, Texter, Art Director etc. sein.
Warum also diese Stellenbeschreibungen? Sie sollen einfach Reibefläche für Ihr eigenes Profil sein. Übrigens: Wer sich davon nicht einschüchtern lässt, ist für uns schon mal per se interessant....
P.S.: Wenn im Folgenden immer von "der" Texter, "der" Kontakter etc. die Rede ist, so ist immer auch "Texterin", "Kontakterin" etc. gemeint. Einziges Ziel ist die leichtere Lesbarkeit und Verständlichkeit des Textes.
- zur Stellenbeschreibung "Texter/Konzeptioner"
- zur Stellenbeschreibung "Etat-Director"
- zur Stellenbeschreibung "Art-Director"
- zur Stellenbeschreibung "Kundenberater"
Texter/Konzeptioner
1. Ein Texter ist Dichter, Journalist, Schriftsteller. Künstler, Kritiker und Sammler. Er sammelt Worte, Bilder, Gedanken, Gleichnisse, Parabeln und Synonyme.
2. Ein Texter glaubt nur, was er schmecken, sehen, fühlen und riechen kann. Was er nicht glaubt, hinterfragt und untersucht er.
3. Er kann zuhören: dem Vertriebsmann, dem Marketingmanager, dem Kundenberater, dem Marktforscher, dem Kunden und dem Konsumenten.
4. Ein Texter muss sehr viel lesen und wissen - von der Antike bis zur Moderne. Er kennt die neuesten Romane, die letzten Filme, die besten Neuerscheinungen; er liest den Spiegel und die Bildzeitung.
5. Ein Texter will alles über das Produkt wissen, für das er textet. Er schreibt über dieses Produkt in Bildern und nicht in Worten. Produkte sind für ihn nicht nur zum Essen und Trinken, nicht nur zum Anziehen und nicht nur zum Benutzen. Produkte sind für ihn auch Visionen, Genüsse, Erlebnisse.
6. Der Texter schreibt nichts ohne Copy-Strategy und die schreibt er um, wenn sie ihm nicht logisch erscheint. Er schreibt sie kurz, er schreibt das, was hängenbleiben soll.
7. Ein guter Texter ist frei von innerlichen und äußerlichen Zwängen, er ist kein Guru und hat kein Sendungsbewußtsein. Er lehnt Platitüden ab, aber setzt sie ein, wo es sein muss. Seine Texte sind nur da intellektuell, wo es auch der Leser ist; ansonsten sind sie einfach zu verstehen - einfach: intelligent einfach.
8. Ein Texter, der mit Ideen geizt, hat zu wenige: Ideen kann verschenken, wer genügend hat. Mittelmäßige Ideen wirft er sowieso in den Papierkorb. Der erstbesten Idee misstraut er zutiefst, obwohl sie die beste sein kann.
9. Das Schöpferische des Texters liegt begründet in seiner Offen- heit allen Dingen und allen Geschehnissen gegenüber. Er hat eine ausgesprochen sensible Wahrnehmung und ein sensitives Gespür für den Kick, den Hit, das Ungewöhnliche.
Etat-Director
1. Der Etat-Director ist ein Vorbild, ein Fels in der Brandung. Er ist die einende Kraft, die Agentur in Person.
2. Er ist entscheidungsfreudig. Er wägt alle Vor- und Nachteile einer Sache gewissenhaft ab, ist aber in der Lage, auch unpopuläre Entscheidungen zu treffen. Im Zweifelsfall hat er das letzte Wort.
3. Er hat breite Schultern, die ihm die Kraft geben, die Last der anderen mitzutragen. Er hat stets ein offenes Ohr für Probleme und kann sie aus dem Weg räumen.
4. Er weiß, daß er Menschen nur ändern kann, indem er sein eigenes Verhalten ihnen gegenüber verändert. Er ist ein psychologisch versierter Diplomat, der genau weiß, wie er bei wem was erreicht.
5. Er fördert gezielt die Stärken seiner Mitarbeiter, er macht ihnen Mut, gibt ihnen Selbstvertrauen. Die Schwächen versucht er mit viel Takt und Geschick auszumerzen.
6. Er kann effizient delegieren. Er weiß blitzschnell, wie und mit wessen Hilfe man etwas zuwege bringen kann. Er findet in jeder noch so ausweglosen Situation eine praktische Lösung.
7. Er kann kreative Arbeit kompetent beurteilen und genießt deshalb Respekt und Wertschätzung bei den Kreativen.
8. Auch außerhalb der Agentur ist er ein "Guide". Im Bemühen um neue Aufträge und Kunden sucht er ständig und überall das Gespräch mit wichtigen Entscheidungsträgern.
9. Er überzeugt durch fachliche Kompetenz und selbstbewussten Charme. Er verkauft immer nur die Arbeit der Agentur - nie sich selbst, seine persönlichen Werte oder seine Mitarbeiter.
Art-Director
1. Fragen Sie mal einen Art-Director, was Marketing ist. Sie bekommen häufig die ironische Antwort: "Das ist mein Bauch". Der Art-Director verkauft den Menschen Gefühle. Denn was sie nicht fühlen, das können sie auch nicht denken. Und ohne Gefühl ist Handeln undenkbar.
2. Der Art Director weiß, der Mensch denkt in Bildern. Fragen Sie jemanden, wieviele Fenster sein Haus hat, dann sieht er vor seinem geistigen Auge sein Haus und zählt die Fenster.
3. Für den Art-Director sagen Bilder mehr als alle Worte. Und Gesichter verraten ihm in Sekundenschnelle ganze Romane und Schicksale.
4. Jeder Art-Director will wissen, warum die Menschen so denken, wie sie denken, so fühlen, wie sie fühlen.
5. Ein Art-Director ist Fotograf, Choreograph, Dramaturg, Regisseur und Typograph.
6. Der Art-Director zeichnet sich aus durch handwerkliches Können, formale ästhetische Sicherheit. Er sieht MTV, geht in Museen, interessiert sich für Mode und Design und liest alle Zeitschriften, die er in die Hand bekommt. Er geht regelmäßig ins Kino und ist dauernd auf der Suche nach neuen Bildreizen. Er ist Voyeur.
7. Manche Headline ist erst durch den Art-Director geworden, was sie ist ("Hoffentlich ist es Beton.")
8. L'art pour l'art gibt es nicht für den Art-Director. Auch nicht den persönlichen Stil. Aber er hat Stil und ein gutes Feeling für Grauwerte und Weißräume.
9. Der Art-Director ist ein Teamplayer, er spielt die Bälle zum Texter und gibt sie weiter an den Kontakter.
Kundenberater
1. Der Kundenberater ist Generalist in der Werbeagentur, und er ist Katalysator zwischen der Kreation - den Textern und Art-Directoren auf der einen Seite und dem Kunden auf der anderen Seite.
2. Der Kundenberater hat nicht nur kreatives Talent, sondern auch ein sicheres Gefühl für Stil.
3. Der Kundenberater hat die besondere Fähigkeit, sich in der Agentur für den Kunden und beim Kunden für die Agentur einzusetzen. Er ist das Aushängeschild der Agentur.
4. Der Kundenberater gibt ein klares Briefing, kommuniziert präzise mit der Kreation und inspiriert diese dabei zu Bildern; anschließend ist er in der Lage, kreative Umsetzungen genau zu beurteilen.
5. Ein Kundenberater kann klar und knapp formulieren, er kann frei sprechen und ist in der Lage, eine Präsentation spannend zu gestalten.
6. Der Kundenberater hat Power und Durchsetzungsvermögen, er schafft Überzeugung und sorgt für einen angstfreien Stil in der Zusammenarbeit. Er sorgt für Fakten, ist präszise in der Sache und höflich-nett im Ton.
7. Ein Kundenberater hat aufgrund seiner Kompetenz den vollen Respekt beim Kunden und nicht zuletzt deshalb auch in der Agentur. Dieser Respekt trägt wesentlich zur Glaubwürdigkeit bei.
8. Der Kundenberater ist aber auch ein sensibler Empfänger dafür, was an Trends und Werten in der Gesellschaft vorhanden ist, und er besitzt ein Gespür für zukünftige Entwicklungen.
9. Der Kundenberater sollte den Verbraucher/Verwender besser und genauer kennen als jeder andere - aus eigener Erfahrung, vom PoS, aber auch aus Literatur, Forschung und Wissenschaft.
10. Der Kundenberater, der nicht regelmäßig ins Kino geht, der nicht seine Urlaube an verschiedenen Orten verbringt, der die U-Bahn oder Straßenbahn als Transportmittel verschmäht, bleibt ein erlebnisschwacher "Schreibtischtäter".
11. Der Kundenberater hat unglaublich neugierig zu sein und kennt die Produkte seines Kunden und seiner Konkurrenten möglichst besser als der Produktmanager.
12. Schließlich und endlich ist der Kundenberater frei von inneren und äußeren Zwängen. Er lebt nicht von Platitüden; er hält sich geistig und körperlich fit.
13. Der Kundenberater ist mitverantwortlich für die wirtschaftliche Entwicklung seiner Agentur.
